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Ausgrabungen Tempelhofer
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Planungen für die Ausgrabungen 2013

Grabung am Columbia KZ


Grabungen an der Stelle des ehemaligen Columbia-KZ können nur in sehr begrenztem Maß durchgeführt werden. Nach Ausweis historischer Dokumente wurde der Südteil des Gebäudes komplett abgerissen. Der unterkellerte Nordflügel zum Columbia-Damm hin ist durch einen großen Abwasserkanal, der parallel zur heutigen Strasse läuft, ebenfalls in weiten Teilen zerstört. Einzig Kellermauern der Nordfassade des Baus könnten noch erhalten sein. Auch für zwei Seitengebäude (Gerichtsgebäude im Westen, SS-Quartiere im Osten des dreiflügeligen Hauptbaus) sind nach Abrissdokumenten aus dem Archiv der Berliner Flughafen Gesellschaft keine Baureste mehr zu erwarten.
Plan des KZ Columbia, geplottet auf den heutigen Zustand am Ost-Ende des NS-Flughafens
Plan des KZ Columbia, geplottet auf den heutigen Zustand am Ost-Ende des NS-Flughafens












Richthofenlager der Weser Flug GmbH


Zwischen dem NS-Flughafengebäude und der Friedhofsmauer des Columbia-Friedhofs befand sichzu Zeiten des 2. Weltkriegs ein riesiges Zwangsarbeiterlager der Firma Weser Flug GmbH. Arbeiter und Arbeiterinnen aus der Sowjetunion, aus Polen, Tschechien und anderen osteuropäischen Ländern, aber auch Kriegsgefangene aus Frankreich waren hier in Baracken untergebracht, die auf einem Luftbild aus dem Jahr 1943 gut zu erkennen sind. Das Lager wuchs auf über 20 Baracken im Frühjahr 1944, mit mehr als 1000 Insassen allein der Weser Flug GmbH.
Der Arbeitsplatz war im Erdgeschoß des neuen Flughafens, wo die ZwangsarbeiterInnen Sturzkampfbomber des Typs JU 87 und andere Kriegsflugzeuge im Einsatz gegen ihre eigenen Heimatländer zusammensetzen mussten. Ein weiterer Bereich zwischen den Baracken weist auf einem Foto vom Dach des Flughafens aus deutliche Spuren von mit Erdarbeiten verbundenen Tätigkeiten auf, die aber weder auf diesem Foto noch auf vorhandenen Luftfotos näher zu identifizieren sind.
Insgesamt kann nicht davon ausgegangen werden, dass gute Erhaltungszustände dieser Baracken angetroffen werden, denn nach einem Luftfoto aus dem frühen Jahr 1945 waren bis zu Kriegsende fast alle Baracken abgetragen worden. Eine weitere Schwierigkeit der Planung besteht darin, dass auch dieses Gelände durch die U.S. Militärs stark umgeformt wurde.

Allgemeine Denkmal- und Erinnerungs-bedingte Zielsetzungen

Alle Ausgrabungen des Jahres 2013 in Tempelhof finden statt unter Gesichtspunkten der Erinnerungsarbeit in einem Jahr der Negativ-Jubiläen, die an die Machtübernahme 1933 und die Pogromnacht 1938 erinnern.
Daten, die für das Columbia-KZ im Jahresablauf von Belang sind, sind die folgenden:
- 1. Februar (1934): Ermordung von John Scheer, Rudolf Schwarz, Erich Steinfurth, Eugen Schönhaar auf dem Weg von der Prinz-Albrecht-Strasse zum Columbia-Haus;
- 22. März (1934): Ermordung von Heinz Hoppe im KZ Columbia (Schilde und Tuchel 1990: 52);
- 6. April (1934): Ermordung von Kurt Wirtz im KZ Columbia (Schilde und Tuchel 1990: 52);
- 14. Juli (1933): frühester definitiver Beleg des Columbia-Hauses als Gestapo-Gefängnis (Kurt Hiller; Schilde und Tuchel 1990: 26);
- 1. Oktober (1936): Offizielles Datum der Auflösung des KZ Columbia (Schilde und Tuchel 1990: 76);
- 20. November (1933): Ermordung von Michael Kirzmierczik (Schilde und Tuchel 1990: 31);
- 26. November (1933): Tod von Erich Tonseifer infolge von Folter im Columbia-Haus (Schilde und Tuchel 1990: 31);
- 27. November (1933): Ermordung von Karl Vesper im Gestapo-Gefängnis Columbia-Haus (Schilde und Tuchel 1990: 31);
- 27. Dezember (1934): an diesem Tag im Jahre 1934 taucht der Begriff „Konzentrationslager Columbia“ zum ersten Mal in Dokumenten auf (Schilde und Tuchel 1990: 44).